Gedichte



Am Nachmittag auf der Veranda (Ilha Grande)

Am Nachmittag auf der Veranda:

Immer wieder zieht es
den Schmetterling zur
Dolde feuerroter Blüten –
und mich zu meinem Buch

Selbst die Blüten des Kaktus
stehen offen zum Himmel,
der Mann aber der
jetzt unten vorbeigeht,
trägt einen Hut auf dem Kopf

In der Bucht die Boote an Ankern
gesichert gegen das offene Meer
schaukeln in der Dünung
ein bisschen hin
ein bisschen her und
erinnern mich an B.

Auf dem Bildschirm summiert
der Nachrichtensprecher
die Ereignisse des Tages
Die Pflanzen draussen
von der Sonne ermattet
atmen den Abend

Vom Strand her
Lachen Rufen Singen
in der Dämmerung – und
das Leben wiegt auch mich
in seinen warmen Armen

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Frühlingsschnipsel

Frühlingsschnipsel

Wie jedes Jahr feiert der verrückte Lyriker
den Frühlingsanfang mit einem Joint
auf der Autobahnbrücke

Noch vor dem ersten Bus
schreien die Krähen
hochdringliche Botschaften
ins wässrige Blau des Morgens

Kaum macht die Baumaschine
Mittagspause –
setzt sich ein Zitronenfalter
aufs motorwarme Gehäuse

Aus einem Loch in der Wolkendecke
Sonnenstrahlen in schrägen Bahnen –
mit blitzenden Rotorblättern rattert
ein Helikopter durch sie hindurch

Vom Wegbord her
verleuchten Osterglocken
gewaltiges Gelb.
Jetzt einatmen, tief:
Da sind wir also wieder!

Aber in den Frühlingsgedichten
Eichendorffs
pfeifen keine Lokomotiven.

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Du sollst dir ein Bild machen!

Du sollst dir ein Bild machen!

Ein Augenblick –
Unwiederbringlich?
Erleg ihn, schiess ein Foto.
Was du hast, hast du.

Der Anruf des Ortes irritiert dich?
Bring ihn zum Schweigen
und knips sein Verstummen.
Ist soziales Kapital.

Was du hast, hast du.
Kannst du auch teilen.
So macht man’s.

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