Frühlingsschnipsel
Frühlingsschnipsel
Wie jedes Jahr feiert der verrückte Lyriker
den Frühlingsanfang mit einem Joint
auf der Autobahnbrücke
Noch vor dem ersten Bus
schreien die Krähen
hochdringliche Botschaften
ins wässrige Blau des Morgens
Kaum macht die Baumaschine
Mittagspause –
setzt sich ein Zitronenfalter
aufs motorwarme Gehäuse
Aus einem Loch in der Wolkendecke
Sonnenstrahlen in schrägen Bahnen –
mit blitzenden Rotorblättern rattert
ein Helikopter durch sie hindurch
Vom Wegbord her
verleuchten Osterglocken
gewaltiges Gelb.
Jetzt einatmen, tief:
Da sind wir also wieder!
Aber in den Frühlingsgedichten
Eichendorffs
pfeifen keine Lokomotiven.
Du sollst dir ein Bild machen!

Du sollst dir ein Bild machen!
Ein Augenblick –
Unwiederbringlich?
Erleg ihn, schiess ein Foto.
Was du hast, hast du.
Der Anruf des Ortes irritiert dich?
Bring ihn zum Schweigen
und knips sein Verstummen.
Ist soziales Kapital.
Was du hast, hast du.
Kannst du auch teilen.
So macht man’s.
Zu einem Bild von Paul Klee

Abstract mit Bezug auf einen blühenden Baum (1925)
Zu einem Bild von Paul Klee
Im festen Rahmen der begrenzenden Form
der atmende Rhythmus der Gevierte –
wie geträumte Worte aus der Tiefe.
Rund um die helle Mitte in erdig
gefangenen Tönen: der mütterlich
bergende Grund der Seele.
Diskret verborgen der Stamm,
das mäeutisch wirkende Ich, um
ins Licht zu heben für alle, für dich
das Haupt des leuchtenden Baums
im seligen Blütentraum –
ein poetisch wiegendes Lied
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